Die Wende

Wie die Ebbe und die Flut, liegen Asche und die Glut
Nicht weit auseinander.
Zum Hochmut gehört der Fall, zu jedem Berg gehört ein Tal.
Gegensätze bezieh'n sich aufeinander.

Du atmest ein, du atmest aus, nur eins davon, das reicht nicht aus,
Das brächte schnell ein sich'res Ende.        
Ein halbes Rad, das läuft nicht rund, aus schwarz und weiß, wird niemals bunt.
Mein Leben, braucht jetzt dringend eine Wende.

Bin nur rastlos herumgerannt, hab' Ruhe und auch Schlaf verbannt.
Entspannung, war noch niemals mein zu Hause.
Erst spät habe ich festgestellt, dass das Gegenteil zum Stress mir fehlt.
Jetzt mach' ich 'mal 'ne schöne lange Pause.

Von mir aus bleibt der Kühlschrank leer. Ich brauch' kein heißes Wasser mehr.
Was wichtig ist im Leben, ist mir jetzt klar.
Jetzt kriegt alles einen Sinn, ich weiß was ich will und wer ich bin.
Die Wahrheit lag noch nie so nah.

Ich entschied mich für den Müßiggang, dass Leben ist ja nicht unendlich lang.
Brecht auch ihr, wie ich aus Hast und Hektik aus.
Kommt mich besuchen, schaut euch an, wie man sein Leben ändern kann.
Ich hab' gekündigt, sitz' nur noch hinter'm Haus.

Und hör' den Spatzen zu, wie sie tirilieren.
Seh', wie sie spielend sich in der Zeit verlieren.
Ich schau' den Schwalben nach, wie sie Kreise dreh'n.
Das mach' ich täglich nun von acht bis abends um halb zehn.

Das bringt nichts ein, beruhigt jedoch meine Nerven.
Wird abgestumpfte Sinne wieder schärfen.
Ich pfeif' mit meinen Federfreunden auf die ganze Welt.
Auf die Politik, die Arbeit und das schnöde Geld.

Ich brauch kein Schloss und keine Segelyacht.
Ich halt verlässlich bei meinen Vögeln wacht.
Einer muss sich um sie kümmern, ohne sie würd' niemand froh.
Denn die Welt wär' dann am Ende und die Menschheit sowieso.

Vom Ersparten werde ich mit Freude ihnen,
Eimerweise Körner kaufen und Rosinen.
Fütter' sie durch's ganze Jahr und werd' belohnt,
Damit, dass im Rollokasten 'ne Familie Meisen wohnt.

Auch die Stare haben sich in meinem Garten
Zahlreich eingestellt, muss gar nicht lange warten.
Dann hör ich ihr Geschrei schon von ganz fern.
Das ist Musik für meine Ohren, solche hör' ich gern'.

Entscheid' auch du dich, für den Müßiggang.
Auch dein Leben ist nicht unendlich lang.
Kündige gleich morgen, setzt dich mit mir hinter's Haus.
So lebt sich's liebe Leben leichter, probier' es einfach aus.

Und hör' den Spatzen zu, wie sie tirilieren.
Seh', wie sie spielend sich in der Zeit verlieren.
Schau den Schwalben nach, wie sie Kreise dreh'n.
Das machst du täglich nun von acht bis abends um halb zehn.


© Frank Breburda